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Bauzinsen: Grundlagen, Entwicklung und Sicherung
Was man unter Bauzinsen versteht
Zinsen, die für Darlehen der
Immobilienfinanzierung von der Bank berechnet werden, werden gemeinhin
auch als Bauzinsen bezeichnet.
Sie sind damit eines der wichtigsten Kriterien für eine
Baufinanzierung, denn sie geben einen entscheidenden Ausschlag
für die Höhe der Finanzierungskosten.
Die
Bauzinsen werden dabei vom Nennwert des Darlehens berechnet.
Je nach Kreditart werden die Zinsen dann in der monatlichen Rate,
beispielsweise bei Annuitätendarlehen, oder separat, bei
tilgungsfreien Darlehen, belastet. Erfolgt bei den aufgenommenen
Darlehen eine Tilgung, werden die Bauzinsen im Laufe der Zeit
niedriger, bei tilgungsfreien Darlehen hingegen bleiben sie
während der gesamten Laufzeit konstant hoch.
Der Einfluss des Beleihungswertes auf die Bauzinsen
Für
Baudarlehen wird als
Sicherheit in der Regel ein Grundpfandrecht eingetragen. Um
festzustellen, ob die Sicherheit werthaltig ist, erstellen die Banken
eine so genannte Beleihungswertermittlung. Der hier ermittelte Wert
(Beleihungswert) wird aus dem derzeitigen Verkehrswert der Immobilie
abzüglich eines Sicherheitsabschlags von 10-20% berechnet.
Somit liegt der Beleihungswert meist unter dem am Immobilienmarkt
derzeit zu erzielenden Verkaufspreis. Hiermit soll ein Abschlag bei
einer etwaigen Versteigerung kompensiert werden.
Der Beleihungswert dient gleichzeitig als wichtige
Größe für die Ermittlung der Bauzinsen.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass Darlehensvergaben
risikoreicher werden, je mehr sie an 100% des Beleihungswertes reichen.
Das Risiko der Bank besteht darin, bei einer Versteigerung einen
geringeren Wert als die Darlehensrestschuld zu erzielen und somit den
Restbetrag abschreiben zu müssen. Darlehen, deren
Beleihungswert nur zwischen 50-60% liegt, gelten dabei als erstrangige
Darlehen, ihr Zins ist besonders niedrig. Darlehen mit einem
Beleihungswert von 100% hingegen werden mit höheren Bauzinsen
belegt. Daher müssen Darlehensnehmer ohne Eigenkapital tiefer
in die Tasche greifen und auch höhere Monatsraten finanzieren
können.
Die Ermittlung der Bauzinsen
Neben dem Beleihungswert spielen aber auch
weitere
Faktoren bei der Ermittlung der Bauzinsen eine Rolle.
Dies ist beispielsweise der Darlehensbetrag. Die Bauzinsen, die die
Banken im Internet oder in ihrer Werbung ausweisen, gelten oft erst ab
einem Darlehensbetrag von 100.000 Euro.
Für Darlehensbeträge darunter werden
Zinsaufschläge fällig, denn die Bearbeitungsdauer
sowie der Aufwand sind bei kleineren Darlehen gleich hoch. Der
Verdienst ist jedoch geringer.
Einen weiteren Ausschlag
für die Bauzinsen gibt die gewünschte Zeit der
Zinsbindung. Je länger diese vereinbart wird,
desto höher ist auch der Zinsaufschlag, denn die Bank muss
sich dann für einen längeren Zeitraum refinanzieren.
Es kann sich jedoch trotz dessen lohnen, eine längere
Zinsbindung zu vereinbaren. Gerade in der jetzigen Zeit historisch
niedriger Zinsen umgehen Kreditnehmer so das
Zinsänderungsrisiko. Letztlich spielt seit Anfang 2007 bei der
Festlegeung der Bauzinsen auch die Bonität des Kreditnehmers
eine wichtige Rolle. Auch hier spielt das Risiko für die Bank,
ebenso wie bei der Beleihungswertermittlung, eine entscheidende Rolle.
Je bonitätsschwächer der Kunde ist, desto mehr
Rücklagen muss die Bank bilden, was wiederum mit Kosten
verbunden ist. Daher erhalten Kunden mit einer erstklassigen oder sehr
guten Bonität
deutlich niedrigere Bauzinsen
als Kunden mit einer mittleren Bonität. Aktuell
müssen allerdings etwa 90% aller Antragsteller mit einem
Zinsaufschlag auf die Werbekonditionen rechnen.
Die derzeitige Zinssituation und aktuelle Entwicklung der
Bauzinsen
Am 07. Mai 2009 hat die EZB den wichtigen Leitzins auf das historische
Tief von nur noch 1% gesenkt.
Auch die Bauzinsen sind
seit den Höchstständen im Sommer 2008 stark gesunken,
für 10 jährige
Annuitätendarlehen
sind heute oft nicht mehr als 3,5-4,0% p.a. zu zahlen. Im Durchschnitt
der letzten zehn Jahre hingegen lag dieser Zins bei ca. 6% p.a. Die
weiteren Aussichten für Bauzinsen sind ebenfalls positiv, denn
mit steigenden Leitzinsen ist aufgrund der derzeitigen
Wirtschaftsaussichten kaum zu rechnen. Allerdings nimmt die
Verschuldung der Staaten immer weiter zu, so dass auch die Nachfrage
nach langfristigen Krediten ansteigt. Dies führt wiederum zu
höheren Zinsen. Kreditnehmer müssen sich in der
nächsten Zeit somit trotz gleich bleibender Leitzinsen auf
leicht höhere Darlehenskonditionen einrichten. Wer sich
bereits jetzt die Bauzinsen für spätere
Umschuldungen
oder Prolongationen sichern möchte, kann dies durch den
Abschluss von Forward Darlehen tun. Diese Darlehen können mit
den heute niedrigen Zinsen vereinbart werden, die Auszahlung erfolgt
jedoch erst in der Zukunft, auf Wunsch erst in 36 Monaten. Für
die Zeit bis zur Auszahlung berechnet die Bank einen Zinsaufschlag pro
Monat, der zwischen 0,01-0,03% p.M. liegt.
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